... und dann glaub ich echt, ich bekomme langsam Alzheimer!

Schon im letzten Herbst haben die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) die AWMF Leitlinie zum Thema Demenz herausgegeben. Diese Leitlinie bietet einen umfassenden Überblick über die aktuellen fachlichen Empfehlungen zur Diagnostik, Behandlung und vor allem Prävention dieser komplexen Erkrankung. Für Interessierte bietet der Deutschlandfunk einen informativen Radiobeitrag mit Richard Dodel an, der die Bedeutung dieser Leitlinie erläutert.

Hier geht's zum Radiobeitrag

Für detaillierte Informationen zur Leitlinie selbst können Sie sich direkt auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) informieren: AWMF Leitlinie Demenz

Immer wieder werden wir auch in der psychotherapeutischen Praxis gefragt, ob wir diesbezüglich nicht "mal testen" könnten. Die Antwort ist "ja, aber...!"

Wir können natürlich eine Testung der kognitiven Funktionen auch hinsichtlich demenzspezifischer Einschränkungen mit den in der Leitlinie empfohlenen Tests durchführen, ABER: sollte dabei ein auffälliges Ergebnis herauskommen, würde das noch lange nicht eine Diagnose ergeben. Stattdessen würden anschließend weitere Verfahren notwendig (Bildgebung, evtl. Liquoruntersuchung), die sowieso nur in der Neurologie durchgeführt werden könnten. Wir empfehlen daher, sich bei einem ersthaften Verdacht zunächst an den Hausarzt zu wenden, der ggf. die Überweisung in die Neurologie ausstellt.

Eine wichtige Rolle bei der Betreuung von Demenzpatienten spielt die psychotherapeutische Praxis trotzdem. Wir sind Partner in der Krankheitsverarbeitung – anfangs für den Patienten selbst, später dann auch für die Angehörigen, denn die Pflege von Patienten mit Demenz ist psychisch häufig sehr belastend.

Besonderen Wert legt die Leitlinie jedoch auf lebensstilbasierte Präventionsstrategien. Für viele Menschen ist es das höchste gesundheitliche Ziel, im Alter geistig fit zu bleiben. Dafür kann man jederzeit etwas tun. Wichtige und zuweilen unterschätze Empfehlungen sind:

  • regelmäßige körperliche Bewegung
  • soziale Kontakte
  • geistige Aktivität
  • meiden Sie Alkohol
  • Kontrollieren Sie ihren Blutdruck und Blutzucker und lassen Sie ihn ggf. einstellen - Diabetes und Bluthochdruck sind Risikofaktoren
  • Tragen Sie ihre Hörgeräten, wenn nötig - Hörschäden sind ein Risikofaktor für Demen

Sie merken: fast all diese Maßnahmen, würden wir oder Ihre ÄrzteInnen Ihnen auch bei fast jeder anderen Erkrankung raten. Bleiben Sie also dran, es lohnt sich bis ins hohe Alter.

In unserer Region gibt es dafür verschiedene Treffpunkte und Aktivitäten, um sozial aktiv und geistig rege zu bleiben. Darunter nenne wir beispielhaft mal das Nachmittagskino in Waldkraiburg, VHS-Kurse und das Reparatur Café im Projekthaus Jagus (gibt es auch im Haus der Begegnung in Mühldorf).

Denn wie heißt es so schön: Wer rastet, der rostet.

Für Austausch und Anregung sorgen natürlich auch die Bibliotheken. Das Haus des Buches in Waldkraiburg hat gerade jetzt im Juni 2024 eine kleine Buchausstellung zum Thema Demenz. Der Gerontopsychiatrische Dienst bietet zudem fachkundige Beratung und auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzerkrankten im Haus der Begegnung in Mühldorf an.

Weitere Informationen und Materialien finden Sie außerdem auf der Webseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft: Deutsche Alzheimer Gesellschaft